Nicht überall gute Bedingungen für Tiere und Menschen:
Artikel der Taunus Zeitung vom 15.04.2012
Rohre enden im Nichts
Hilferuf der Tierschützer verhallt – Rettung der Kröten kostet viel Kraft
Vorsicht,
Kröte kreuzt! Ein solches Schild wünschen sich die Tierschützer
zwischen Schmitten und Niederreifenberg. Doch bis dieser Wunsch in
Erfüllung geht, wird es noch einige tote Geschöpfe und gefährliche
Situationen geben.
Von Corina Appel
Dieses
Leitrohr unter der Straße zwischen Schmitten und Niederreifenberg ist
für die Krötenwanderung nutzlos, finden zumindest Günter Schmunk und
Angelika Wiesener: Raus kommen die Kröten, rein nicht mehr. Foto: Appel Schmitten.
Was sich seit ein paar Wochen nachts auf der Straße zwischen Schmitten
und Niederreifenberg abspielt, kommt einem Massaker gleich. Die Opfer:
Kröten, Frösche und Molche. Die Täter: Autofahrer, auch wenn sie dies
natürlich nicht vorsätzlich tun.
Renate Beresheim aus Niederreifenberg hat Fotos gemacht, die nichts für
schwache Tierfreunde-Herzen sind. Jedes Jahr zu dieser Zeit finden die
Amphibien Idealbedingungen für ihre Wanderung aus dem Wald an die
Anglerteiche, um dort zu laichen. Dass dazwischen eine stark
frequentierte Straße liegt, wissen sie nicht. Und selbst wenn, würden
sie dennoch ihrem Instinkt folgen. Was also tun?
"Ein intakter Zaun und ein funktionierendes Leitsystem würden Abhilfe
schaffen", stellt Günter Schmunk, stellvertretender Vorsitzender des
BUND Königstein-Glashütten, fest. Einen Zaun aus Holz gibt es bereits.
Allerdings ist der schon einige Jährchen alt und mittlerweile so morsch,
dass er in sich zusammenfällt. Oder die Erde unter dem Zaun ist
weggespült, so dass die Kröten durchschlüpfen können.
Nicht verantwortlich
Reparieren? Fehlanzeige! Die Gemeinde, der Forst, der Anglerverein und
die Straßenverkehrsbehörde fühlten sich auf Nachfrage und nach Aussage
von Schmunk nicht verantwortlich.
In Eigenhilfe hatten Mitglieder des BUND und des Amphibienteams
Schloßborn im vergangenen Jahr einen grünen Kunststoffzaun gezogen, aber
zwischen dem Ortsausgang Schmitten und dem Parkplatz Talgrund existiert
bisher noch gar nichts. Kein Zaun, der die Amphibien hindert, auf die
Straße zu gelangen. Und kein Leitsystem. Daher ist das Kröten-Massaker
hier am schlimmsten. Und selbst an den Stellen, an denen der Holzzaun
zuletzt bekanntlich notdürftig repariert oder der Kunststoffzaun
aufgestellt wurde, haben es die kleinen Kaltblüter schwer.
Denn sie müssen ans Wasser, und dorthin kommen sie, indem sie durch ein
breites Gitter in ein Röhrensystem fallen, von dem aus sie sicher unter
der Straße durch und auf die andere Seite krabbeln. Doch hier enden die
Rohre oft in der Luft. Nun müssten den Kröten also Flügel wachsen, damit
sie sicher auf die Erde gelangen. Und auf dem Rückweg könnten sich die
Tiere vielleicht im Stabhochsprung üben, um wieder in das Rohr zu
kommen, das hoch am weggespülten Hang aus der Erde ragt.
"Also hüpfen die kleinen Froschlurche so lange am Zaun entlang, bis eine
Lücke kommt und von dort über die Straße. Zwar sind sechs Tierfreunde
in Warnwesten unermüdlich im Einsatz, um die Tiere einzusammeln und in
Eimern über die Straße zu tragen, doch das ist nicht nur gefährlich,
sondern auch Kräfte zehrend", berichtet Angelika Wiesener vom
Amphibienteam. Sie organisiert und koordiniert die Einsätze und ist über
jeden freiwilligen Helfer froh (Telefon 0 61 74-93 53 33).
"Während der Zeit der Krötenwanderung sind nicht nur die Amphibien
gefährdet, sondern auch die Verkehrsteilnehmer. Denn die überfahrenen
Kröten kleben wie Schmierseife auf der Straße. Im Sinne aller – der
Tiere und der Menschen – fordern die Tierfreunde daher mindestens
Schilder, die auf die Krötenwanderung hinweisen. Außerdem wünschen sie
sich einen intakten Zaun und ein funktionierendes Leitsystem. Immerhin
folgt der Krötennachwuchs in etwa drei bis vier Monaten seinen Eltern in
den Wald und muss dann auch die Straße überwinden.
Artikel vom 15. April 2012, 23.10 Uhr (letzte Änderung 16. April 2012, 04.07 Uhr)
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